Schmerzen beim Kauen.

Sind die Kaumuskeln durch „Parafunktionen" (nicht der Nahrungszerkleinerung dienende Bewegungen wie Knirschen und Pressen, Fingernagelkauen, Kauen auf Stiften, Kauen auf der Lippe u.ä.) überlastet, beginnen sie in Funktion (z. B. bei Kauen von Nahrung) zu schmerzen. In Ruhephasen (geschlossener Mund, Zähne nicht in Kontakt) regenerieren sie sich. Beim Kauen werden die Schmerzen im Gesicht, im Bereich der Wangen, der Schläfen oder im Munde oft überraschend heftig verspürt.

 

Kopfschmerzen.
Ursache für Kopfschmerzen sind nicht selten überlastete Kaumuskelareale. Verspannungen im Schläfenmuskel (M. temporalis) führen zu Schmerzen im gesamten Schläfenbereich; ist der Hauptkaumuskel (M. masseter) betroffen, tut es in den Wangen und unter dem Jochbein weh. Darüber hinaus können Schmerzen, z. B. ausgehend von bestimmten Muskeln oder vom Kiefergelenk aus der Tiefe ausstrahlen und im gesamten Kopfbereich Schmerzen hervorrufen. Daher sollte bei unklaren Kopfschmerzen neben der vorrangig notwendigen neurologischen Untersuchung auch an die Diagnose CMD gedacht werden und ein entsprechender Spezialist konsultiert werden.

 

Mein Mund geht nicht richtig auf.
Prinzipiell sind im Zusammenhang mit CMD hauptsächlich zwei Komponenten für die Einschränkung der Mundöffnung verantwortlich: die Kaumuskulatur und/oder das Kiefergelenk.
Ist die Kaumuskulatur aufgrund einer großen Belastung (z.B. lang währende Mundöffnung bei einer Weisheitszahn-Operation oder einem ausgedehnten Zahnarztbesuch) übermüdet, fällt es oft noch längere Zeit schwer, den Mund zu öffnen. Bei schmerzhaften Schädigungen z. B. im Kiefergelenk reagiert die Muskulatur oft reflexartig mit einer Anspannung, um weitere Bewegungen, die zu Schmerzen führen können, zu verhindern. Diese so genannte „Muskelschienung" kann dazu führen, dass die Muskulatur völlig verhärtet und der Mund sich nicht mehr richtig öffnen lässt.

Damit die Bewegungen im Kiefergelenk ungestört ablaufen können, federt eine Knorpelscheibe (Diskus) die Belastungen ab und bewegt sich, geschmiert von der Gelenkflüssigkeit zwischen Gelenkkopf (Kondylus) und Gelenkgrube. Rutscht der Diskus beim Mundschluss teilweise oder ganz vom Gelenkkopf nach vorne, wird die Mundöffnung blockiert. Meistens springt der Diskus bei der Mundöffnung wieder auf den Gelenkkopf auf ("Diskusverlagerung mit Reposition"), meist begleitet von einem Gelenkknacken (siehe unten: „Das Kiefergelenk knackt"). Wenn der Diskus bei der Mundöffnung nicht wieder auf den Gelenkkopf aufspringt ("Diskusverlagerung ohne Reposition") kommt es zur Blockierung. Oftmals geht diesem Geschehen eine längere Phase des Kiefergelenkknackens voraus.

Da in sehr seltenen Fällen auch Tumore eine Einschränkung der Unterkieferbeweglichkeit bedingen können, sollte diese grundsätzlich (zahn)medizinisch abgeklärt werden.

 

Mein Mund geht nicht mehr zu.
Bei manchen Patienten renkt sich der Unterkiefer bei weiter Mundöffnung auf einer oder auf beiden Seiten aus. In seltenen Fällen gelingt es nicht, den Mund wieder zu schließen. Grund dafür ist in der Regel eine besonders dehnbare Gelenkkapsel (z. B. aufgrund einer Bindegewebsschwäche oder vorangegangenen Überlastung) der betroffenen Kiefergelenke. Der Kiefergelenkkopf bewegt sich aus der Gelenkgrube heraus und gelangt nur schwer oder gar nicht zurück in die Gelenkgrube. Ein fachkundiger Zahnarzt wird das Gelenk wieder einrenken und Übungen bzw. Verhaltensweisen erklären, wie Sie in Zukunft dieses "Malheur" vermeiden können.

 

Warum ist mein Kiefer morgens wie eingerostet?
Viele CMD-Patienten leiden an nächtlichem Bruxismus (Knirschen oder Pressen mit den Zähnen). Betroffene Personen werden oftmals durch den Lebenspartner auf diese unangenehme Angewohnheit aufmerksam gemacht, da das Reiben der Zähne deutlich zu hören ist. Beim Pressen hingegen werden die Zähne mit hoher Kraft zusammengebissen ohne zu reiben. Beiden Mechanismen gemeinsam ist die starke Muskelaktivität, die hinsichtlich Kraft und Dauer der Belastung weit über das normale Maß der Kaufunktion hinausgeht. Die Folge davon ist oft morgens beim Zähneputzen zu spüren: der Kiefer ist wie „eingerostet", der Mund lässt sich schwer öffnen, weil die Muskeln von der nächtlichen „Hochleistungsaktivität" merklich ermüdet sind.

 

Das Kiefergelenk knackt.
Knackgeräusche im Kiefergelenk können verschiedene Ursachen haben.
Rutscht beispielsweise der Diskus (siehe oben) beim Mundschluss teilweise oder ganz vom Gelenkkopf herunter, wird das Kiefergelenk bei der nächsten Mundöffnung blockiert. Meistens springt der Diskus bei der Mundöffnung wieder auf den Gelenkkopf auf und verursacht bei der Überwindung des Knorpelrandes ein typisches, z. T. wiederholtes Knackgeräusch. Aber auch Unebenheiten in der Gelenkgrube bzw. auf dem Gelenkkopf können während der Bewegung Knackgeräusche erzeugen. Eine genaue Abklärung ist z. B. mittels Manueller Strukturanalyse (siehe unter Diagnostik) möglich.

Alleinige schmerzlose Kiefergelenkgeräusche ohne weitere Beschwerden oder Befunde sind in der Regel nicht behandlungsbedürftig.

 

In meinen Kiefergelenken knirscht es wie „Sand im Getriebe".
Die Ursache derartiger Reibegeräusche ist in der Regel ein unphysiologischer Kontakt von Knochen auf Knochen Dieser tritt ein, wenn durch krankhafte Abbauprozesse die Knorpelschichten, die Kiefergelenkkopf und -grube überziehen, verloren gegangen sind und nicht mehr ausreichend Gelenkflüssigkeit produziert wird. Eine solche Arthrose kann auch in den Kiefergelenken auftreten. Dies kann ein rein lokales Geschehen als Folge einer Überlastung der Kiefergelenke bei einer craniomandibulären Dysfunktion sein. Die Kiefergelenke können aber auch von einem generellen arthrotischen Geschehen betroffen sein (z.B. rheumatoide Arthritis). 

 

Ohrgeräusche.
CMD-Patienten klagen häufig über Ohrgeräusche (Tinnitus). Trotz intensiver interdisziplinärer Forschung in den vergangenen Jahrzehnten sind die physiologischen Zusammenhänge noch nicht eindeutig geklärt. In manchen Fällen gelingt es, im Rahmen der CMD-Behandlung auch den Tinnitus zu verbessern.

 

Mein HNO-Arzt sagt, die Schmerzen kommen nicht vom Ohr.
Bei Positionsänderungen im Kiefergelenk wird häufig eine stark mit Nerven versorgte Zone belastet, die dadurch sehr schmerzhaft reagiert. Dieser Schmerz strahlt oft in den Gehörgang ein, so dass betroffene Patienten sich häufig zuerst an den HNO-Arzt wenden. Findet dieser keine nachvollziehbare Ursache für die Schmerzen, sollte ein Spezialist für CMD-Erkrankungen hinzugezogen werden.

 

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